Jean Bergeret

Der ewige Ödipus

Zu den Grundlagen menschlicher Gewalt

Cover Der ewige Ödipus

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Buchreihe: Bibliothek der Psychoanalyse

Verlag: Psychosozial-Verlag

277 Seiten, Broschur, 148 x 210 mm

Erschienen im Dezember 2016

ISBN-13: 978-3-8379-2509-8, Bestell-Nr.: 2509

Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen geopolitischen Ereignisse und der weltweit präsenten Bedrohung durch den Terrorismus gewinnen Jean Bergerets Thesen aktuell an Brisanz. Die von ihm eingeführte Urfantasie des »Ich oder Du«, die es zu überwinden gilt, kennzeichnet zahlreiche Diskurse entsprechender Gruppierungen. Anders als das Freud’sche Konzept des Todestriebs, das Bergeret für philosophische Spekulation hält, basieren Bergerets Beobachtungen auf der Allgegenwärtigkeit von Gewalt.

In Ergänzung zu Freud, der den Sexualtrieb als persönlichkeitsprägenden Faktor definiert hat, geht Bergeret von einer der Libido vorgelagerten Kraft aus, die die Psychogenese und damit die Persönlichkeitsstruktur des Menschen lebenslang und nachhaltig beeinflusst: dem archaischen Gewalttrieb. Dieser bestimmt das unbewusste Erleben in der vorsprachlichen Zeit und entfaltet seine Wirkung vor der ödipalen Triangulierung, die von Freud ins Zentrum der Forschung gestellt wurde. In dieser Zeit steht dem subjektiv empfundenen »Mangel zu sein« ein Gewalttrieb gegenüber, bei dem allein das eigene Überleben zählt – zur Not auch unter Inkaufnahme der Tötung des Anderen.

Inhaltsverzeichnis

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Inhalt

Vorwort zur deutschen Ausgabe
Heinfried Duncker

Hinweis

Vorwort

Einleitung

Teil I: Ödipus und Sophokles

1 Der Ödipusmythos vor Sophokles

2 Der Ödipusmythos in Sophokles’ Werk

3 Erste Ebene von König Ödipus
Der manifeste Inhalt

4 Zweite Ebene von König Ödipus
Auf der Suche nach dem latenten Inhalt
Erste Szene
Zweite Szene
Dritte Szene
Vierte Szene

5 Dritte Ebene von König Ödipus
Chronologische Wiederherstellung
Erster Abschnitt
Zweiter Abschnitt
Dritter Abschnitt
Vierter Abschnitt
Fünfter Abschnitt
Sechster Abschnitt
Siebter Abschnitt
Achter Abschnitt
Neunter Abschnitt
Zehnter Abschnitt

6 Ödipus auf Kolonos

Teil II: Ödipus und Gewalttrieb bei Freud

7 Von Sophokles zu Freud

8 Freud, Hamlet und die Orestie
Ödipus’ Schattenseite
Leben oder Nichtleben?
Die Orestie – Hamlets Schattenseite

9 Freud auf den Spuren Ödipus’
Ödipus in Paris
Der Ödipuskomplex
Freuds Blütezeit
Gewalt und Tod

10 Das Konzept der Urfantasien
Die Grundsprache
Freuds Fantasietheorie
Das ursprüngliche Unbewusste
Klassische und andere Urfantasien
Wahrheiten und Irrungen der Fantasie
Die vielphasige Fantasie des Menschen
DasWesen der Urfantasie
Entstehung der Erstfantasie

11 Der Gewalttrieb bei Freud
Freud und der Tod des Vaters
Freud und die Mutter
Freud und Frauen
Freud und die Psychose

Teil III: Die Hypothese eines archaischen Gewalttriebs

12 Gewalttrieb und klinische Erfahrung
1. Praxisbeispiel: »Tod oder Leben?«
2. Praxisbeispiel: »Mein Leben über alles«
3. Praxisbeispiel: »Wer wird getötet?«
4. Praxisbeispiel: »Eine Urangst«
5. Praxisbeispiel: »Das Bild der toten Mutter«
6. Praxisbeispiel: »Blut an den Händen«

13 Gewalt und Leben
Diesseits der Psychopathologie
Jenseits der Psychopathologie

14 Gewaltinstinkt und Todestrieb
Nietzsches Schatten
Der Triebbegriff
Der Bemächtigungstrieb
Der »tierische« Instinkt
Die Triebanlehnung
Der Todestrieb bei Freud
Prägenitale Gewalt bei Abraham
Adlers Irrtum und Kleins Umsicht

15 Der Gewalttrieb als eigenes Triebkonzept
Denkanstöße
Parallele Sichtweisen
Der Gewalttrieb in anderen Freud’schen Konzepten

16 Zusammenfassung

Fazit

Nachwort
Vom Gewalttrieb zur Aggressivität – Präventionsmaßnahmen

Literatur

Personenregister

Werke von Jean Bergeret

Rezensionen

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PSYCHE. Zeitschrift für Psychoanalyse und ihre Anwendungen. 71. Jahrgang, Heft 7, Juli 2017

Rezension von Christian Schneider

»Welche Bedeutung die Verbindung literarischer und psychoanalytischer Recherche bis heute hat, zeigt exemplarisch Jean Bergerets Werk über den ›ewigen Ödipus‹. 1984 erstmals erschienen, hat es in Frankreich mehrere Auflagen erlebt und in ungebrochener Aktualität die Phase überdauert, in der hierzulande die kulturtheoretische Bedeutung der Psychoanalyse einem weitgehenden Erinnerungsverlust in ihren eigenen Reihen unterlag…« [mehr]