Rezension von: Julia Rahmelow Titel: Das Oktoberfest - Masse, Rausch und Ritual
Erschienen in: Spielen und Lernen 11/07
Zusammenfassung
Das Buch hilft zu verstehen, warum das Leben in einer Patchworkfamilie schwierig sein kann. Warum alle Beteiligten so sensibel sind und manchmal unangemessen reagieren. Warum die gegenseitige Fremdheit immer wieder aufbricht
Vollständige Rezension
Ich heirate eine Familie
»Du hast mir gar nichts zu sagen!« Stiefväter und -mütter, die diesen Satz zum ersten Mal hören, stellen fest, dass sich das Zusammenleben mit den Kindern des neuen Partners als enorm kompliziert erweist. Heftige Auseinandersetzungen bestimmen zu Anfang oft das Leben in einer Patchwork-Familie. Und davon ist in diesem Buch die Rede. Im ersten Teil lernen wir eine typische Patchworkfamilie kennen: die Mutter, deren Kinder, den Stiefvater und die gemeinsame Tochter. Gerhard Bliersbach beschreibt Szenen aus dem Alltag eines Stiefvaters – jeweils aus der Sicht der einzelnen Familienmitglieder. Im zweiten Teil betrachtet er sie genauer und benennt die typischen Konfliktmuster. Dabei geht es auch um die Frage, wie Eltern auch dann Eltern ihres Kindes bleiben können, wenn sie neue Lebensgemeinschaften bilden. Im dritten Teil werden Fragen – auch unter Berücksichtigung der Forschung – beantwortet: Welche Wirkungen hat eine Trennung auf Kinder? Wo sollen sie leben? Wie halten alle die heftigen Gefühle bei den Konflikten und Auseinandersetzungen aus? Wann beruhigen sich die Spannungen im Normalfall?
Das Buch hilft zu verstehen, warum das Leben in einer Patchworkfamilie schwierig sein kann. Warum alle Beteiligten so sensibel sind und manchmal unangemessen reagieren. Warum die gegenseitige Fremdheit immer wieder aufbricht. Auch Eifersucht und unterschiedliche Vorstellungen von Erziehung spielen eine Rolle. Die vielen Szenen beschreibt der Autor so eindrücklich, dass dieser Ratgeber nicht nur eine wertvolle Fundgrube für Lösungen, sondern auch eine angenehme Lektüre ist. Sie zeigt Stiefvätern und -müttern, dass ihr Ärger darüber, sich in ihrem Zuhause nicht zu Hause zu fühlen, eine alltägliche Erfahrung in einer Patchworkfamiie ist, die ihr Zusammenleben gerade auszuhandeln beginnt, und dass das auch irgendwann vorbeigeht. Das macht Mut und Hoffnung.
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