1 x Ekel als Folge traumatischer Erfahrungen
1 x Psychoanalyse und Körper Nr. 10: Traumatherapie


Neville Symington
Neville Symington führt eine Praxis als Psychoanalytiker in New South Wales, A...

Titel von
Neville Symington
im Psychosozial-Verlag




1. Lawson, Christine Ann
Borderline-Mütter und ihre Kinder


2. Tillmann, Michael
Ich, das Geräusch


3. Quinodoz, Danielle
Älterwerden - Eine Entdeckungsreise


4. Chamberlain, Sigrid
Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind


5. Bliersbach, Gerhard
Leben in Patchwork-Familien


6. Mauss-Hanke, Angela (Hg.)
Internationale Psychoanalyse 2010


7. Piegler, Theo (Hg.)
»Ich sehe was, was du nicht siehst«


8. Naumann, Thilo Maria
Beziehung und Bildung in der kindlichen Entwicklung


9. Hirsch, Mathias
»Mein Körper gehört mir … und ich kann mit ihm machen, was ich will!«


10. Ahrbeck, Bernd (Hg.)
Von allen guten Geistern verlassen?



Rezensionen über: 3-89806-484-0

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Rezension von: Franz Freisleder
Titel: Das Oktoberfest - Masse, Rausch und Ritual

Erschienen in: Süddeutsche Zeitung (SZ)

Zusammenfassung
Jegliche Schwellenangst vor einer vermeintlich trockenen wissenschaftlichen Schwarte ist bei diesem Buch fehl am Platz. Es geht recht barock zu in dem Forschungsbericht über die vielschichtige Wiesn-Seele, den die Autorin auch noch mit charakterisierenden Schnappschüssen aus der eigenen Kamera bereichert. Sie analysiert die unterschiedlichen Besucher in den verschiedenen Zelten, die Freude an einer Wiesn-Tracht, die Oktoberfest-Souvenirs und -Schlagertexte der letzten Jahre; entdeckt dabei ebenso phallische Symbolik: wie etwa beim »Hau den Lukas« oder Fahrgeschäften a la »Power Tower« und »Euro-Star«


Vollständige Rezension
Die Wiesn-Seele auf der Psychologen-Couch
Münchener Seiten
Die Bücher mit Geschichte, Geschichten und Reportagen zum Thema Oktoberfest sind Legion. Gibt es da überhaupt noch eine Perspektive, aus der diese fast 200 Jahre alte und inzwischen längst weltberühmte Münchner Institution nicht beschrieben wurde? Die Psychologin und Psychotherapeutin Brigitte Veiz hat so eine Literatur-Lücke entdeckt und sich daran gemacht, sie zu schließen. Unter dem Titel »Das Oktoberfest – Masse, Rausch und Ritual« präsentiert sie jetzt als Ergebnis die erste wissenschaftlich fundierte sozialpsychologische Studie über die Wiesn.

Der Autorin ging es also nicht um die schon häufig behandelten ökonomischen Aspekte; auch um die historischen nur, soweit sie als Belege für den atmosphärischen Wandel des Oktoberfestes dienen. Sie interessierte vor allem, was es denen bedeutet, die alle Jahre wieder daran teilnehmen, als Besucher oder als Berufstätige. Deren Verhalten, Motivationen und Erlebnisse hat sie seit 1999 – zunächst für eine Diplomarbeit – wie eine Ethnografin während zahlreicher Wiesnbesuche beobachtet und durch Interviews erkundet. Dazu kam vor zwei Jahren ein »Selbstversuch« als Hilfskraft in einem Bierzelt. Ihre Ernte verbindet Brigitte Veiz mit den Definitionen und Maßstäben eines Freud und Canetti, eines Nietzsche, Platon, Aristoteles und verschiedener Ritualtheoretiker. Die waren zwar allesamt keine Wiesnbesucher, doch ihre Äußerungen zu den Begriffen Masse, Event, Rausch, Sucht und Ritual – den wichtigsten Kapiteln des Buches – helfen auf frappierende Weise das Phänomen Oktoberfest mit all seinen Licht- und Schattenseiten zu entschlüsseln.

Jegliche Schwellenangst vor einer vermeintlich trockenen wissenschaftlichen Schwarte ist bei diesem Buch fehl am Platz. Es geht recht barock zu in dem Forschungsbericht über die vielschichtige Wiesn-Seele, den die Autorin auch noch mit charakterisierenden Schnappschüssen aus der eigenen Kamera bereichert. Sie analysiert die unterschiedlichen Besucher in den verschiedenen Zelten, die Freude an einer Wiesn-Tracht, die Oktoberfest-Souvenirs und -Schlagertexte der letzten Jahre; entdeckt dabei ebenso phallische Symbolik wie etwa beim »Hau den Lukas« oder Fahrgeschäften a la »Power Tower« und »Euro-Star«. Auf ihrem Streifzug führt sie den Leser beispielsweise zum älteren Münchner Genießer, der das begehrte gemütliche Platzerl am Biertisch fast nur noch bei schönem Wetter mittags im Freien findet. Zum Pseudo-Wiesn-Dirigenten, der sein trügerisches Machtgefühl teuer bezahlen muss. Aber auch zu den barbusigen Australierinnen und nackten Männern auf den Tischen im Hofbräuzelt, wo »die zahlreichen BHs, die in die Luft geworfen werden, auf einer überdimensionalen Figur vom Engel Aloisius landen«. Zu den Kellnerinnen, die das Urinieren in die Maßkrüge beklagen. Oder zu den in den Abendstunden zunehmenden Umtrieben der »wilden Biesler« und Kopulierer hinter den Buden am Wiesnrand.

Belegen derlei Wiesn-Exzesse auch, wie Brigitte Veiz feststellt, »eine Tendenz zu immer mehr Zügellosigkeit«, so bekommen doch die meisten Besucher in der Regel nicht allzu viel davon mit. Und so darf man wohl nach wie vor der Feststellung in ihrem Prolog zustimmen, in dem sie schreibt: »Wenn man nicht ein bisschen Bier getrunken hat, was die Wahrnehmung etwas dämpft, ist die Lautstärke viel zu laut, der Trubel viel zu groß und die Leute sind zu drängend, zu ausgelassen und zu aufgedreht«. Sei man aber selber mitten drin im Wiesngefühl und habe schon eine halbe Maß getrunken, »dann schwingt man mit, ist im Einklang mit den anderen und freut sich am großen, gemeinsamen Trubel.«






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